Kontaktdaten

Wir sind für Sie da!

Flottenstraße 55
47139 Duisburg

0203 453-0

0203 453-501

Zentrale Beratung

Wir unterstützen Sie in allen Fragen rund um Alter und Pflege. Sprechen Sie uns an!

Ostereier mit Handschrift

Altenpflegehelferin Gerti Hoffmann aus dem Haus an der Rheinkirche in Homberg hat ein besonderes Hobby: Eierkratzen, eine Volkskunst aus dem Böhmerwald. Die Region, aus der die Familie ihrer Mutter stammt, ist heute ein Teil Tschechiens. „Gekratzte Eier wurden hier zu Ostern von Mädchen an ihre Geliebten oder von Paten an ihre Patenkinder verschenkt“, erklärt die gebürtige Österreicherin.

Auch Gerti Hoffmann bekam von ihrer Patentante ein solches Ei geschenkt. „Bei ihr habe ich auch meine ersten eigenen Versuche gemacht“, erinnert sie sich, „aber ich war damals noch wenig geübt.“ Erst einige Zeit später, nachdem sie mit ihrem Mann nach Duisburg gezogen war, lernte sie durch Zufall in Walsum Mitte der 1980er Jahre in einem VHS-Kurs das traditionelle Kunsthandwerk. Seitdem ist es ihr ganz besonderes Hobby, vor allem in der Zeit zwischen Weihnachten und Ostern.

Ausgleich zum anstrengenden Alltag

Das Eierkratzen ist für Gerti Hoffmann eine willkommene Unterbrechung ihres anstrengenden Alltags: Vormittags arbeitet sie als Altenpflegehelferin im Haus an der Rheinkirche in Homberg, einer Einrichtung der Evangelischen Altenhilfe Duisburg. Sie hilft den Bewohnern beim Waschen, Ankleiden und Essen. Zuhause pflegt sie ihren Mann, der nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt ist. „Als er krank wurde, hatte ich keine Kraft für mein Hobby“, sagt die Mutter dreier erwachsener Kinder. „Aber jetzt macht es mir wieder Freude und ich kann dabei auch gut abschalten.“

Stolz zeigt sie eine Auswahl der über 400 gekratzten Eier, die sie bislang mit filigraner Technik verziert hat. Gut zwei Stunden braucht sie für jedes einzelne. Eines haben alle gemeinsam: die Liebe zum Detail. Einige der kleinen Kunstwerke hat sie verkauft, viele verschenkt, und natürlich dekoriert sie ihre Wohnung in der Osterzeit auch selbst damit. Gerti Hoffmann „Jedes Ei ist ein Unikat, und jede Eierkratzerin hat ihre eigene Handschrift.“

Info: Eierkratzen

Eierkratzen ist eine Volkskunst aus dem Böhmerwald, einer Region in Tschechien. Das Ei – wahlweise von Huhn, Wachtel, Ente, Gans, Strauß – wird zunächst an der spitzen Seite mit einer Stecknadel angepiekst. Dann wird es mit einer Rundfeile sauber eingestochen. Wichtig für Optik und Stabilität ist, dass sich dabei keine Risse bilden und das entstehende Loch gleichmäßig rund ist. Mit Hilfe einer Handballenpumpe wird das Ei ausgeblasen, danach von innen und außen gründlich gereinigt. Wer eine Kunstfarbe bevorzugt, sollte weiße Eier verwenden. Braune Eier lassen sich auch in einem Sud von z.B. roten Zwiebelschalen oder Blauwurzeln färben. Je nach gewünschter Farbintensität beträgt die Färbezeit bis zu zwei Stunden. Es empfiehlt sich, die gefärbten Eier bis zu zwei Wochen trocknen zu lassen – sie sind dann stabiler. Zum Kratzen wird das Ei in die Hand gelegt wie eine Kartoffel zum Schälen. Jetzt sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Typisch für den Böhmerwald sind Klöppelmuster, Blumen, Spitzen und Borten. Geübte kratzen auch Sprüche oder Weisheiten ins Ei. Zum Abschluss kann mit Hilfe eines Blumendrahtes noch ein Band zum Aufhängen des kleinen Kunstwerks durch die Löcher gezogen werden. Was Gerti Hoffmann noch ergänzt: ihre Initialen.