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Impuls zum Totensonntag: “Einst” – zwischen Zeit und Ewigkeit

Das vergehende Jahr erinnert an die vergehende Zeit. Dunkle Herbsttage, sterbende Natur. So manche Menschen stehen in diesen Tagen an Gräbern. Sie hängen ihren Erinnerungen nach. Wünschen sich vergangenes Glück zurück. Möchten noch einmal beginnen, Fehler vermeiden, wiedergutmachen. – Ein Impuls von Pfarrer Rüdiger Klemm

Da hat sich ein Ehepaar seinen Lebensabend so schön vorgestellt: Der Enkel hat das Haus übernommen. Mit seiner Frau und dem Urenkel bewohnt er das Obergeschoss. Die alten Leute haben teil am Leben, sind dabei. Aber dann beginnen die Veränderungen: Neue, große Fenster werden eingebaut. Dabei passten die alten viel besser zum Haus. Über die Heizung freuen sich auch die Alten. Sie lässt das Haus warm werden und bleiben. Aber dann soll die Garage auf den Hof. Dazu wird der Nussbaum gefällt. Der Großvater hat ihn vor vierzig Jahren selbst gepflanzt.

Ein Stück des Lebens

Es tut weh. Das Haus ist ein Stück ihres Lebens. Was haben sie nicht alles selbst gemacht! Nun kommt der Enkel und will alles anders. Sicher, es gibt viele Verbesserungen. Aber die Großeltern fühlen: Unsere Leistung wird von den Nachkommenden ganz anders gesehen. Es schmerzt, wenn Menschen – manchmal nicht erst im Alter – sehen müssen, wie ihr Lebensplan, die Leistung ihrer Lebenszeit von anderen weggeschoben wird.

Könnten Menschen anders – besser – alt werden, wenn sie sehen: Meine Mühe hat sich gelohnt? Könnte nicht ein Mensch dem anderen die Zeit seines Lebens leichter machen – das Leben, das Altwerden und womöglich sogar das Sterben, wenn mit seinem Wollen und Schaffen freundlicher, liebevoller umgegangen würde?

Aber ist das überhaupt ein Ziel: Zeit haben, viel Zeit haben? Manche Menschen leiden darunter, dass sie zu viel Zeit haben. Andere klagen: Ich habe zu wenig Zeit. Was wäre, wenn wir Menschen unbegrenzt Zeit hätten? Das Haus erfordert doch wieder neu meine Arbeit. Der Garten wächst anders, als ich ihn angelegt habe. Die Kinder werden zu eigenen Menschen, die nicht bloß durch meinen Einfluss geprägt sind.

Unfertig übergeben

Ich bleibe zurück hinter meinen Zielen. Ich bekomme ein Stück Welt unfertig übergeben, arbeite daran, so gut ich kann und muss doch etwas Unfertiges aus der Hand legen. Es scheint zum Verzweifeln.

Es gibt ein altes deutsches Wort, das Zeit und Ewigkeit zusammenschließt: „Einst“. Mit ihm fangen sowohl Sätze der Vergangenheit wie der Zukunft an: „Einst lebte ein mächtiger König.“ Und: „Einst wird Frieden auf Erden sein.“ Einst – das verbindet meine Ziele, meine Zeit mit vergangenen und künftigen Zeiten und Zielen. Wenn ich meine Kraft einsetze, soll ich mich nicht sorgen, ob auch ja in meiner Zeit das Richtige daraus wird. Einst – da lerne ich aus dem Vergangenen, da leide ich an der Unvollkommenheit, da gebe ich Hoffnungen und Träume weiter an die Kommenden. Einst – das verbindet Zeit und Ewigkeit.